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Einsame Scherben eines zerbrochenen Flaschenhalses -  Die Ästhetik des Normalen

(Norbert Kiening, Künstler und BBK Vorsitzender, Vernissagerede zur Austellung "im Gelände", Augsburg - Kunst im Dichtl am 24. Mai 2019)

... ... das Areal seiner Streifzüge wird zu seinem erweiterten Wohnzimmer. Er geht gewohnte Strecken durch sein Gelände. Auf diesen Streifzügen findet Jochen Eger die Hinterhöfe, die Containerstellplätze, die Parkplätze, die Orte. Diese gilt es zu untersuchen. Dabei sind die Entdeckungen keine prominenten Motive. Den Fotografen interessiert die Ästhetik des Normalen. Er transformiert das Banale in seine Komposition ... ...

Immer gilt die Suche auch dem ästhetischen Bruch - eine vertrocknete Thuja in der Hecke, ein vom Wind verdrehter Sonnenschutz oder die Wellpapprolle inmitten geometrischer Flächen. Eger zeigt sich als nüchterner Chronist der Gegenwartsästhetik. Und doch ist er ordnend und rhythmisierend tätig: grün an grau, Beton an Laub, Pappe auf Kunststoff ... ...

... ... die Sujets sind durchweg menschenleer, ja verwaist. Obwohl man das Gefühl nicht los wird, dass gerade im vergangenen Moment noch jemand anwesen war .... ...

Natürlich ist bei aller Neutralität der Abzüge der sozialkritische Blick des Fotografen zu spüren. Er hat sehr wohl eine gefestigte Position zu gesellschaftlichen Themen. Doch nie ist die Botschaft plakativ und leicht eins zu eins abzulesen.   

Zeichen des Alltags, Jochen Eger und seine urbane Fotografie

(Gerhard Guffler, Diplom-Designer, Vernissagerede zur Ausstellung „Zeichen des Alltags“, Neusäß - Rathaus am 8. März 2017)

... ... dieses Bild erzählt eine Vielzahl an Geschichten. Geschichten, die mir einfallen, wenn ich meinen Gedanken freien Lauf lasse. Wer wohnt hier? Wer macht die Türe auf, wenn ich läute? Eine Seniorin? Ein Raucher? Ein Glotzer? Einer in Jogginghose? Ein Student eher nicht, wenn ich die Vorhänge betrachte? Und wer hat diese Pflanzbehälter so achtlos liegen lassen?

Fotografien wie diese sind eine wunderbare Spielwiese für Gedanken, die sich mit dem Menschen und der Behandlung seiner Umwelt auseinandersetzen. Mit den dokumentarisch kombinierten Bildern, die auch immer einen Bezug zum benachbarten Motiv in dieser Ausstellung haben, lädt uns Jochen Eger sehr zum Nachdenken ein.

Und sind seine Bilder nicht auch eine Kritik an unserer Gesellschaft, die ihr urbanes Umfeld missgestaltet oder zumindest ignoriert? Wirklichkeit wird in diesen Fotografien schonungslos sichtbar. Nichts wird wegretuschiert. In seiner reduzierten Formensprache bietet uns Jochen Eger dabei jede Menge Raum für die eigene Kreativität an. Und das ist doch auch ein entscheidendes Wesensmerkmal von Kunst.


Ein Fotograf archiviert seine Stadt - Jochen Eger nimmt das Übersehene auf. Wie er dabei hinter die Oberfläche blickt.

(Alois Knoller, Augsburger Allgemeine, Feuilleton regional anläßlich der Ausstellung „Jenseits der Fassaden“, Augsburg am 08. Dezember 2016)

 Jochen Eger hat einen Blick für Zeichen, Ordnungen und Strukturen, die er antrifft und als typisch für den Ort wahrnimmt. ... ... Die Zweckmäßigkeit von Gehäusen und Abgrenzungen gerät ebenso in den Brennpunkt wie der Rhythmus urbaner Fluchten. Die Einzelbilder kombiniert der Foto-Forscher zu kleinen Serien, bezieht mal drei, mal vier Ansichten aufeinander nach seinen archivarischen Ordnern.

Der Titel der Ausstellung verweist darauf, dass Jochen Eger hinter die Oberfläche schauen will. Dem Unscheinbaren, Übersehenen und Über-schminkten gilt sein fotografischer Blick. Mit gutem Grund strebt er in den Aufnahmen eine hohe Tiefenschärfe an. Nichts bleibt seinem Zugriff verborgen. Kanten, Spalten, Materialität und Transparenz werden sichtbar.

 

Das Leben spielt sich in der Stadt ab, nicht zu Hause.

(Ute Legner, Stadt Augsburg - Kulturamt, anläßlich der Ausstellung „Zeit vor Ort“ am 1. Juni 2016)

... ... Entscheidend für sein fotografisches Arbeiten wird die Berührung mit dem New Topographic Movement. Eine Stilrichtung, die während der 1970er Jahre in den USA entstand. Diese Bewegung wird als der Beginn einer neuen fotografischen Sicht auf die Landschaft verstanden. Nicht die Idealvorstellung unberührter Landschaft, sondern die dokumentarische Sicht auf die durch Menschen veränderte, gar verschandelte Umwelt stehen im Fokus.

In Jochen Egers fotografischem Konzept verschmelzen nun seine „Lebens-Themen“: die Dokumentation einer subjektiven Wirklichkeit der Stadt Augsburg und das Archivieren von Gegenständen, Zeichen, Straßen, Orten. Seine Fotografien entstehen stets im „Augsburg-Weiss“ - im diffusen Weißlicht, das uns hier fast sieben Monate des Jahres ein täglicher Begleiter ist. ... ...

Er richtet sein Augenmerk auf Orte, mit denen man nicht pfleglich umgegangen ist. Die aber genau deswegen eine eigene Schönheit entwickelt haben. ... ... So erhebt er seine Motive, die so sehr Teil des every-day-life sind, zum Besonderen und für ihn Wichtigen.

 

Als Fotograf ist Jochen Eger ein analytischer Flaneur

(Michael Schreiner, Augsburger Allgemeine - Leiter Kultur, anläßlich der Ausstellung „Stadt im Blick“, Augsburg am 01. Oktober 2015)

Jochen Eger bereichert unser Bild von Augsburg mit Fotografien, die wenig Glanz zeigen, aber viel Wirklichkeit. Da ordnet einer das urbane Gerümpel: Zäune, Autos, Schilder, Schranken. Damit leben wir, das übersehen wir, das blenden wir gerne aus. ... ...

Aber das ist die Substanz der Stadt. Sie ist zugewuchert und verdichtet im alten Bestand – noch luftig und unbestimmbar in Neubaugebieten. Die Gefüge, die bebauten Szenen und Lebensräume auf Egers Fotografien sind menschengemacht, aber menschenleer. ... ...

Der Fotograf archiviert Bilder, die er in den unerschöpflichen Zwischenräumen dieser Stadt findet. ... Nicht nur die prächtigen Folianten sind bewahrenswert, sondern ebenso vergilbte Papiere, beschriebene Rückseiten, Fragmente ... . Gerade darum muss man sich kümmern. Übertragen auf die sichtbare Stadt bedeutet das: Dom rechts liegen lassen, Tiefgarageneinfahrt beachten. ... ...

Sehen und Fotografieren bedeutet für Jochen Eger: Erkenntnisse gewinnen. Aus seinen Bildern setzt er das Stadtbild neu zusammen. Er strukturiert. ... Die Bilder sind das Ergebnis disziplinierter Arbeit und harter Auswahl. Einerseits. Aber sie erzählen auch von der Lust am Sehen und Hinsehen, davon, wie der Blick eines Einzelnen auf die Welt, auf die Stadt, auf Augsburg, Anregung für viele sein kann.

 

Ein leidenschaftlicher Betrachter seiner Stadt

(Carmen Jaud, Malerin und Autorin, Vernissagerede anläßlich der Ausstellung „Stadterkundung“, Neusäß am 19. März 2015)

Seine Fotografien sind mehr als nur eine Wiedergabe des aufgenommenen Moments, sie sind ein Fenster. Durch dieses Fenster blicken wir allein oder gemeinsam auf unsere Wirklichkeit. Deren Situationen gleichzeitig ausschnitthaft und exemplarisch zu zeigen, bestimmt die Wahl seiner Motive.

Bilderzyklen ermöglichen, Erinnerung intim und anonym zugleich erscheinen zu lassen. Es geht darum, eine ästhetisch-emotionale Qualität zu erreichen, die für andere wahrnehmbar und spürbar ist und gleichzeitig das eigene Projekt unverwechselbar macht. Das also zu dokumentieren, was einem selbst wichtig war und ist.

Er, der sich selbst als Augsburger Fotografen bezeichnet, zeigt uns die Stadt als Palimpsest. Sie wird von ihren Bewohnern im Lauf der Zeiten immer wieder neu überschrieben und mit frischen Schichten versehen. Doch finden sich auch überall Stellen, an denen die darunterliegende Ablagerung sichtbar wird, an denen die oberste Haut abblättert. Dazu begibt sich Jochen Eger auf Wege abseits des täglichen Mainstreams. Auf seinen Bildern lässt er uns die Stadt lesen.